{"id":368,"date":"2020-11-29T22:50:35","date_gmt":"2020-11-29T22:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=368"},"modified":"2022-10-15T21:55:07","modified_gmt":"2022-10-15T21:55:07","slug":"die-durre-von-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=368","title":{"rendered":"Die D\u00fcrre von 2020"},"content":{"rendered":"<p>Nachtrag Oktober 2022:<\/p>\n<p>Die Trockenheit hat sich fortgesetzt. Die sonst wenigstens jedes 2. Jahr eintretenden Hochwasser an Fuhse und Aller sind ausgeblieben. Beide Fl\u00fcsse haben dauernd niedrige Pegel, im Zentrum von Celle kann man durch die Aller waten, ohne dass die Knie nass werden.<\/p>\n<p>Die Hochwasser hatten den Boden im Flusstal durchn\u00e4sst und das Grundwasser aufgef\u00fcllt. Bis jetzt funktionieren Brunnen im Flusstal noch &#8230; Aber an den Fl\u00fcssen und Kan\u00e4len in der Region ist abzulesen, dass sich der Wasserhaushalt keineswegs normalisiert hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_430\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-430\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-430\" src=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024-300x225.jpg\" alt=\"Sandb\u00e4nke Fuhse bei Celle Sommer 2022\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024-300x225.jpg 300w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024-768x576.jpg 768w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CelleFuhseIMG20220720145602_1024.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-430\" class=\"wp-caption-text\">Sandb\u00e4nke in der Fuhse nahe Zentrum Celle.<\/p><\/div>\n<p><br style=\"clear:left;\">In 2020 hatten wir sehr viele aufregende Ereignisse.<\/p>\n<p>Eins davon hat viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen: die extreme Trockenheit, die hier, in der norddeutschen Tiefebene deutlich sichtbare Sch\u00e4den an den W\u00e4ldern angerichtet hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_370\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_fichtentod2_20200802.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-370\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-370\" src=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_fichtentod2_20200802-300x244.jpg\" alt=\"Abgestorbene Fichten\" width=\"300\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_fichtentod2_20200802-300x244.jpg 300w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_fichtentod2_20200802-1024x833.jpg 1024w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_fichtentod2_20200802.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-370\" class=\"wp-caption-text\">Abgestorbene Fichten am Ufer eines ausgetrockneten Kanals nahe Celle\/Niedersachsen<\/p><\/div>\n<p>Bei &#8220;D\u00fcrre&#8221; denkt man normalerweise an ausgetrocknete Teiche mit aufgeplatzten Schlammb\u00f6den und abgestorbene Felder in der Sahelzone.<br \/>\nD\u00fcrre ist aber eigentlich nur ein dauerhafter Wassermangel in der Biosph\u00e4re einer Region. Auch, wenn sich keine &#8220;W\u00fcste&#8221; bildet, kann das dauerhafte Fehlen von 10 oder 20% des normalen Feuchtigkeitsanteils deutlich sp\u00fcrbare, dauerhaft wirksame Auswirkungen auf das Leben einer Region haben.<\/p>\n<p>Vor allem nat\u00fcrlich auf die Pflanzen, dann auf die Insekten, die von den Pflanzen leben und dann auf die Tiere, die von den Insekten leben. Dass der R\u00fcckgang der Insekten auch Auswirkungen auf die Pflanzen hat und dass R\u00fcckgang von Pflanzen auch Nahrungsmangel f\u00fcr grasende S\u00e4ugetiere hat, sollte klar sein.<\/p>\n<p>In der Umgebung von Celle habe ich dieses Jahr zwei sichtbare Anzeichen von D\u00fcrre beobachtet:<\/p>\n<ol>\n<li>Die 3 wichtigsten Fl\u00fcsse Aller, Fuhse und Lachte haben permanent einen niedrigen Wasserstand<\/li>\n<li>Die meisten Kan\u00e4le, die dieses Flusssystem seit ca 300 Jahren verbinden, f\u00fchren teilweise extrem wenig Wasser, teils sind sie ganz ausgetrocknet<\/li>\n<\/ol>\n<div id=\"attachment_372\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_kanal2_20200802.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-372\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-372\" src=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_kanal2_20200802-300x225.jpg\" alt=\"trockenheit_kanal Celle Fuhse\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_kanal2_20200802-300x225.jpg 300w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_kanal2_20200802-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/trockenheit_kanal2_20200802.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-372\" class=\"wp-caption-text\">Der alte Fuhsekanal wurde f\u00fcr Lastk\u00e4hne gebaut. Hier ist er fast trocken, die B\u00e4me im Hintergrund ben\u00f6tigen viel Wasser.<\/p><\/div>\n<p>Im Bild oben ist vorn \u00fcppiges Gr\u00fcn zu sehen, dahinter abgestorbene Fichten zwischen ebenfalls scheinbar gesunden B\u00e4umen. Das Schilf w\u00e4chst in einem Kanal, der nur noch aus einem Rinnsal aus Schlamm besteht. Klassische Kan\u00e4le zeichnen sich dadurch aus, dass sie \u00e4hnlich wie Fl\u00fcsse nur zum Teil aus dem sichbar flie\u00dfenden Wasser bestehen. Das flie\u00dfende Wasser ist der \u00dcberschuss an Feuchtigkeit im gesamten System des Wasserlaufs. Um den Wasserlauf, also das &#8220;Bett&#8221; des Kanals oder Flusses ist der Grund mit Wasser ges\u00e4ttigt, das flie\u00dfende Wasser ist zu sehen, weil der darunterliegende Boden kein weiteres Wasser aufnehmen kann.<\/p>\n<p>Dieser nicht sichtbare, sehr feuchte Untergrund versorgt die Pflanzen in seiner Umgebung mit Wasser.<\/p>\n<p>Warum sterben dann die Fichten, nicht aber die anderen B\u00e4ume in ihrer Umgebung?<\/p>\n<p>Weil Fichten flache Wurzeln(sog. &#8220;Tellerwurzeln&#8221;) haben. Sie nehmen ihr Wasser auf einer relativ gro\u00dfen Fl\u00e4che aber nicht aus gro\u00dfer Tiefe auf. Kiefern zum Beispiel haben Pfahlwurzeln, die bis zu 6 Meter tief reichen und so auch mit niedrigem Wasserstand zurecht kommen.<\/p>\n<p>In der nordeutschen Tiefebene waren 2020 \u00fcberall abgestorbene Fichten zu beobachten. Wir haben einen solchen Baum in inserem Garten stehen. Obwohl wir den Garten mit einer Pumpe mit Grundwasser bew\u00e4ssern, starb der Baum, der 60 Jahre lang neben einem etwas gr\u00f6\u00dferen gewachsen war. Das Wasser reichte einfach nur f\u00fcr einen Baum und der etwas st\u00e4rkere hat die D\u00fcrre bis jetzt \u00fcberlebt, der etwas kleinere ist vertrocknet&#8230;<\/p>\n<h2>Wie vertrocknen B\u00e4ume?<\/h2>\n<p>Wie alle Pflanzen haben B\u00e4ume so genannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapillare#Biologie\/Pflanzen\">&#8220;Kapillaren&#8221;<\/a> diese sehr kleinen R\u00f6hrchen transportieren Fl\u00fcssigkeiten durch einen Effekt, der auf Wasser am Eingang sehr d\u00fcnner R\u00f6hren wirkt. Vereinfacht gesagt, ist es der gleiche Effekt, der auch die Saugf\u00e4higkeit von Schw\u00e4mmen und Zellstofft\u00fcchern bewirkt. Voraussetzung ist, dass die R\u00f6hren zwar d\u00fcnn aber durchl\u00e4ssig sind. In Pflanzen bedeutet das, dass die Kapillaren nicht l\u00e4ngere Zeit austrocknen d\u00fcrfen. Sonst fallen sie zusammen, der Effekt ist am Schrumpfen von trocknendem Holz zu beobachten.<\/p>\n<p>Pflanzen k\u00f6nnen nicht aktiv auf ihre Umwelt reagieren. Sie k\u00f6nnen ihr Wachstum in Richtung von Lichtquellen verst\u00e4rken und ihre Wurzeln in die Gegenrichtung wachsen lassen, um an Wasser zu kommen aber mehr Felxibilit\u00e4t haben sie nicht.<\/p>\n<p>L\u00e4sst die Feuchtigkeit in einer Kapillare nach, saugt diese einfach Feuchtigkeit nach, ohne darauf Wert zu legen, aus welcher Richtung das Wasser kommt. Wenn die Wurzeln gen\u00fcgend Wasser aus dem Boden angesaugt haben, transportieren die Kapillaren das Wasser und die N\u00e4hrstoffe nach oben, an das &#8220;Ende&#8221; der Pflanze. Kalifornische Seqoia Mammutb\u00e4ume k\u00f6nnen so Tonnen von Grundwasser bis in 100 Meter H\u00f6he saugen.<\/p>\n<p>Aber wenn aus den Wurzeln zu wenig Wasser kommt, saugen die Kapillaren die Nadeln, Bl\u00e4tter und Zweige aus. Apfelb\u00e4ume besitzen die F\u00e4higkeit, dabei einen Unterschied zwischen Fr\u00fcchten und Bl\u00e4ttern zu machen. In sehr trockenen Sommern kann man Apfelb\u00e4ume sehen, denen die Bl\u00e4tter abfallen, w\u00e4hrend die \u00c4pfel weiterwachsen und kleiner aber vollst\u00e4ndig ausreifen.<\/p>\n<p>Nadelb\u00e4ume sind primitiver: erst trocknen die Nadeln aus, dann die Zweige und wenn der Ast ausgetrocknen ist, beginnen auch die Kapillaren der Stammrinde auszutrocknen.<br \/>\nAusgetrocknete Kapillaren verstopfen und k\u00f6nnen auch kein Wasser mehr transportieren, wenn die Wurzeln beginnen, nachzuliefern.<br \/>\nSo verliert die Stammrinde immer mehr die F\u00e4higkeit, Wasser nach oben zu saugen.<\/p>\n<p>Trocknet schlie\u00dflich der ganze Stamm aus, stirbt das System Baum und es l\u00e4sst sich nicht wiederbeleben.<\/p>\n<h2>Was bedeutet das?<\/h2>\n<p>Das bedeutet, dass der Klimawandel ganz konkret, hier bei uns bereits sehr sichtbare, nicht umkehrbare Effekte bewirkt. Wenn n\u00e4chstes Jahr das Aller\/Fuhse\/Lachtesystem wieder mehr Wasser f\u00fchren sollte, wird das die 2020 vertrockneten Fichten in der Region nicht wieder lebendig machen.<\/p>\n<p>Fallen die weniger elastischen und F\u00e4ulnisbakterien ausgelieferten Baumleichen nicht von selbst, m\u00fcssen sie gef\u00e4llt werden.<\/p>\n<p>Die W\u00e4lder werden lichter und B\u00e4ume, die zum Beispiel den Windschatten der Fichten genutzt haben, werden st\u00e4rker belastet, durch St\u00fcrme, die ebenfalls st\u00e4rker werden. Man nennt das auch &#8220;Versteppung&#8221;.<\/p>\n<p>Bei einem nat\u00fcrlichen Verlauf w\u00fcrden entweder B\u00e4ume nachr\u00fccken, die besser mit weniger Wasser zurechtkommen oder eben eine Steppe entstehen, die in unserer Gegend &#8220;Heide&#8221; genannt wird.<br \/>\nAber der Verlauf ist nicht nat\u00fcrlich. Das Klima wandelt sich zu schnell f\u00fcr W\u00e4lder. M\u00f6glicherweise w\u00fcrden sie durchhalten, wenn man gezielt B\u00e4ume anpflanzt, die trockene B\u00f6den bevorzugen. Nur leider ist die D\u00fcrre von 2020 nur eine Seite des Klimawandels, eine andere ist das hier:<\/p>\n<div id=\"attachment_382\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/hochwasser2018_02.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-382\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-382\" src=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/hochwasser2018_02-300x225.jpg\" alt=\"Hochwasser Aller bei Celle 2018\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/hochwasser2018_02-300x225.jpg 300w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/hochwasser2018_02-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/hochwasser2018_02.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-382\" class=\"wp-caption-text\">Hochwasser Aller bei Celle 2018<\/p><\/div>\n<p>Die M\u00fcndung der Fuhse in die Aller im Januar 2018: die Aller ist an dieser Stelle bei normalem Wasserstand 10-12 Meter breit. Solche Hochwasser sind hier nicht sehr ungew\u00f6hnlich, allerdings treten sie in den letzten 10 Jahren h\u00e4ufiger auf, halten l\u00e4nger an und finden zu ungew\u00f6hnlichen Zeiten statt. Statt nach der Schneeschmelze im Harz hatte sich diese Flut hier bereits im Dezember aufgebaut und sie hielt einige Wochen an.<\/p>\n<p>Ich bin in dieser Hinsicht kein Experte aber soweit mir bekannt ist, leiden B\u00e4ume, die besonders effizient Wasser aus trockenen B\u00f6den saugen k\u00f6nnen, darunter, wenn sie buchst\u00e4blich im Wasser stehen. Es mag auch Baumarten geben, die sowohl D\u00fcrre als auch Hochwasser problemlos \u00fcberstehen, ob die sich schnell genug ausbreiten lassen, um die W\u00e4lder zu erhalten, w\u00e4re aber fraglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtrag Oktober 2022: Die Trockenheit hat sich fortgesetzt. Die sonst wenigstens jedes 2. Jahr eintretenden Hochwasser an Fuhse und Aller sind ausgeblieben. 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