{"id":232,"date":"2015-03-25T22:41:03","date_gmt":"2015-03-25T22:41:03","guid":{"rendered":"http:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=232"},"modified":"2015-03-26T11:50:35","modified_gmt":"2015-03-26T11:50:35","slug":"audacity-endlich-mit-echtzeiteffekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=232","title":{"rendered":"Audacity ENDLICH mit Echtzeiteffekten"},"content":{"rendered":"<h3>Vorgeschichte: warum ich oft auf Audacity herumgehackt habe<\/h3>\n<p>Vielleicht hat es schon jemand gemerkt: Ich war bisher kein sehr gro\u00dfer Fan von <a href=\"http:\/\/audacity.sourceforge.net\" title=\"audacity website\" target=\"_blank\">Audacity<\/a>. Das Programm ist Crossplatform hat aber oft den Eindruck gemacht, dass es dabei eine sp\u00fcrbare Neigung in Richtung MS Windows versp\u00fcrt. So benutzt es das vergleichsweise krude PortAudio statt unter Linux direkt auf Jack zu setzen. <\/p>\n<p>Audio-Software unter Linux, die Jack vollst\u00e4ndig benutzt, kann meistens auch Effekte in Echtzeit rendern. Das bedeutet, man kann genau <em>h\u00f6ren<\/em>, was der Effekt bewirkt <em>w\u00e4hrend<\/em> man seine Parameter einstellt. In Audacity ging das nicht, man musste die Parameter im Blindflug einstellen und konnte sich nur eine kurze Vorschau vorspielen lassen. W\u00e4hrend die l\u00e4uft, lassen sich die Parameter aber nicht einstellen.<\/p>\n<p>Nun haben die Leute von Audacity auf Google+ einen Beitrag gepostet, nachdem sie gerade daran arbeiten, diesen anachronistischen R\u00fcckstand ihres Programms zu beseitigen. Dazu hatten sie einen Screenshot gestellt, auf dem man die native grafische Oberfl\u00e4che eines VST-Effekts sehen konnte(Audacity hatte zur Bedienung von Effekten  immer nur eigene, generische Oberfl\u00e4chen angezeigt&#8230;).<\/p>\n<div id=\"attachment_250\" style=\"width: 1119px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/audacity2.1_luft.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-250\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/audacity2.1_luft.png\" alt=\"audacity2.1_luft\" width=\"1109\" height=\"608\" class=\"size-full wp-image-250\" srcset=\"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/audacity2.1_luft.png 1109w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/audacity2.1_luft-300x164.png 300w, https:\/\/lapoc.de\/zblog\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/audacity2.1_luft-1024x561.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1109px) 100vw, 1109px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-250\" class=\"wp-caption-text\">Der Linux-VST Equalizer Luftikus zeigt in Audacity nicht nur seine h\u00fcbsche Oberfl\u00e4che, er l\u00e4sst sich auch bedienen, w\u00e4hrend der Sound zu h\u00f6ren ist.<\/p><\/div>\n<p>Interessant. Die neuen Wunder der Technik wurden f\u00fcr die kommende Version 2.1 angek\u00fcndigt, die Nachricht lie\u00df allerdings erkennen, dass die Entwickler bereits damit experimentieren. Also habe ich mir die aktuellen Quellcodes via svn heruntergeladen:<\/p>\n<p><code>svn checkout http:\/\/audacity.googlecode.com\/svn\/audacity-src\/trunk\/ audacity-read-only<\/code><\/p>\n<p>Das Programm l\u00e4sst sich auf einem aktuellen Kubuntu 14.04 LTS ohne gro\u00dfe Probleme \u00fcbersetzen, f\u00fcr seine Oberfl\u00e4che braucht es die Entwickler-Pakete von WX-Windows und GTK, f\u00fcr Effekte und Audioschnittstellen ben\u00f6tigt man etwa 20 weitere dev-Pakete und deren Abh\u00e4ngigkeiten. Da ich auf dem Rechner schon Ardour3, Carla und andere gro\u00dfe Audiosysteme gebaut hatte, musste ich nur WX-Windows nachinstallieren.<\/p>\n<p>Der Build lief problemlos durch und Audacity 2.1 startet ganz normal. Es zeigt ein paar Warnungen beim ersten Einlesen einiger experimenteller LV2-Plugins aber ansonsten ist diese Entwickler-Beta nach ca. 3 Sekunden mit Jack verbunden betriebsbereit.<\/p>\n<h3>Warum wir von Software oft entt\u00e4uscht werden, obwohl das gar nicht n\u00f6tig w\u00e4re.<\/h3>\n<p>Und? Gehts?<\/p>\n<p>Geht so, nat\u00fcrlich probiere ich in Audacity das, was in Ardour oder Qtractor auch geht: ich bearbeite was mit einem vielfach bew\u00e4hrten LV2-Plugin. Die von mir bevorzugten CALF-Module tauchen auch tats\u00e4chlich in den endlos langen Effektlisten von Audacity auf. Allerdings lauert beim Aufruf eine herbe Ent\u00e4uschung: der Effekt l\u00e4sst sich zwar durchaus einstellen und auch anwenden aber statt seiner grafische Oberfl\u00e4che gibt es nur die simplen Schieberegler von Audacity und abspielen l\u00e4sst sich das Meterial w\u00e4hrend des Einstellens der Parameter auch nicht.<\/p>\n<p>Wie die schlaueren unter uns vielleicht schon vermuten, unterst\u00fctzt Audacity Echtzeiteinstellungen nicht f\u00fcr LV2. Ich selber habe mich flei\u00dfig dumm gestellt und traurige Anfragen an die Audacity Leute geschickt, ob denn die neuen Funktionen \u00fcberhaupt schon im \u00f6ffentlichen SVN sind und was ich denn falsch mache etc.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich liegt es an LV2. Echtzeit geht nur mit LADSPA und VST, native grafische Oberfl\u00e4chen nur mit VST.<\/p>\n<p>UPDATE: Da f\u00e4llt mir ein, dass Carla Patchbay ja auch als VST verf\u00fcgbar ist. Ein schneller Test sieht schon mal prima aus: die Patchbay l\u00e4sst sich in Audacity starten und zeigt auch die grafischen Oberfl\u00e4chen von LV2-Modulen perfekt an. Alles l\u00e4sst sich wie gew\u00fcnscht einstellen und es sieht so aus, als ob man damit auch in Audacity das ganze Brett der modernen Plugins f\u00fcr Linux zeitgem\u00e4\u00df benutzen kann. Nur beim Anwenden st\u00fcrzt Audacity ab und Carla l\u00e4uft Amok. Da sowohl Audacity als auch Carla hier als exxperimentelle Betas laufen, ist das keine Katastrophe, man darf wohl hoffen, dass das noch besser wird&#8230;.<\/p>\n<p>Schade aber OK, die LV2 API soll wohl auch nichts f\u00fcr Leute mit schwachen Nerven sein. Ihre Grafikschnittstelle unterst\u00fctzt sowohl GTK als auch QT und auch noch Juce und der Umgang mit Presets etc ist wohl auch nicht die simpelste Idee, die Frameworkentwickler in letzter Zeit hatten.<br \/>\nAllerdings funktionieren die Echtzeiteinstellungen auch nicht f\u00fcr die <em>internen<\/em> Effekte von Audacity, deren API die Audacity Entwickler wohl schon unter Kontrolle haben d\u00fcrften.<br \/>\nHier schlagen wohl einige problematische Designentscheidungen aus der fr\u00fchen Zeit von Audacity zu. Audacity ist von vornherein nicht f\u00fcr Echtzeit gebaut und dieses Problem zu l\u00f6sen, stellt eine entsprechend komplexe Aufgabe dar.<\/p>\n<p>Das richtig zu programmieren ist kompliziert und langwierig, viel Arbeit und Dank und Anerkennung gibt es zu wenig daf\u00fcr. \u00dcberhaupt nicht kompliziert w\u00e4re es allerdings, den Stand des Arbeitsfortschritts so zu dokumentieren, dass es beim Nutzer ankommt. <\/p>\n<p>Warum bei der Axt versagen flei\u00dfige, herausragend intelligente Menschen, die sehr komplizierte technische Probleme l\u00f6sen k\u00f6nnen, dabei? Es w\u00fcrde gen\u00fcgen, wenn sie statt:<\/p>\n<blockquote><p>Echtzeiteffekte funktionieren. Hier eine grafische Oberfl\u00e4che eines beliebten VST-Effekts.<\/p><\/blockquote>\n<p>das hier schreiben w\u00fcrden:<\/p>\n<blockquote><p>Echtzeiteffekte funktionieren aktuell f\u00fcr LADSPA und VST, grafische Oberfl\u00e4chen zeigen wir f\u00fcr VST an(wie im Bild zu sehen).<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum tun sie das nicht?<br \/>\nDer erste Gedanke w\u00e4re: weil sie sich nicht in ihre Leser hineinversetzen k\u00f6nnen. Sie sind nicht f\u00e4hig, sich vorzustellen, wie ein Endnutzer da drau\u00dfen ihre Nachrichten interpretiert. Das, zusammen mit der Tatsache, dass es f\u00fcr sie selbst, so, wie sie es benutzen, offensichtlich funktioniert, verursacht das Kommunikationsproblem.<br \/>\nLiegt nahe &#8230; aber lasst uns noch ein bisschen Paranoia \u00fcber das Offensichtliche kippen.<\/p>\n<p>Haben wir in der freien Szene nicht seit 10-15 Jahren immer und immer wieder erz\u00e4hlt bekommen, dass die Endnutzer doof sind? Ist es nicht das, was uns &#8220;UX&#8221;-Experten tagein tagaus gepredigt haben? Diese armen kleinen Wiesel hatten beim Erstkontakt mit freien Programmierern und deren Nutzern einen Kulturschock: da sind Leute, die wissen wollen, wie ihre Software funktioniert und die das auch herausbekommen.<br \/>\nAhhhh <em>deswegen<\/em> hat Linux also nur einen Marktanteil von 1-2%! Weil es nur ein paar Halbirre in karierten 80er-Hemden mit Kompottschalenbrille benutzen k\u00f6nnen! Gest\u00f6rte, arrogante Freaks, denen es nichts auszumachen scheint, als Endnutzer eines Computers ein Kommandozeilenterminal zu \u00f6ffnen und dort diabolische Geheimsprache einzutippen.<\/p>\n<p>So so. Und tausende haben den Quark geglaubt und glauben ihn noch. Das liegt nicht unwesentlich daran, dass viele Linux-Nutzer tats\u00e4chlich gerne den allwissenden Supernerd heraush\u00e4ngen lassen, der mit wissendem Schmunzeln auf die <em>Klickibunti Mausschubser<\/em> herabzublicken sich nicht enthalten kann. Es gibt aber einen Unterschied zwischen leichter Bedienbarkeit dank intuitiver Oberfl\u00e4chen mit pr\u00e4ziser, vollst\u00e4ndiger Dokumentation und idiotisch heruntergebl\u00f6deten &#8220;klicken Sie hier, dann geschieht, was Sie wollen sollten&#8221;-Produkten.<br \/>\nGerade das letztere scheint aber der heilige Gral der Usability-Prediger zu sein.<\/p>\n<p>Euer Gral ist eine rostige Konservendose mit scharfkantigem Rand, Freunde.<\/p>\n<p>Lasst Euch nicht einreden, dass Eure Nutzer bl\u00f6de sind. Sie k\u00f6nnen lesen und sie k\u00f6nnen auch Passagen \u00fcberspringen, die sie wirklich nicht interessieren. Pr\u00e4zise und vollst\u00e4ndige Informationen haben noch niemandem geschadet und wer sich dann doch beschwert, dass da &#8220;so unverst\u00e4ndliches Zeugs steht&#8221;, wird Ruhe geben, wenn alles funktioniert und vielleicht noch mal das unverst\u00e4ndliche Zeug lesen, wenn etwas nur dann funktionieren kann, wenn man die Beschreibung verstanden hat.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pQHX-SjgQvQ\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgeschichte: warum ich oft auf Audacity herumgehackt habe Vielleicht hat es schon jemand gemerkt: Ich war bisher kein sehr gro\u00dfer Fan von Audacity. Das Programm ist Crossplatform hat aber oft den Eindruck gemacht, dass es dabei eine sp\u00fcrbare Neigung in Richtung MS Windows versp\u00fcrt. 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