{"id":146,"date":"2012-02-01T00:45:14","date_gmt":"2012-02-01T00:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=146"},"modified":"2012-02-10T09:53:59","modified_gmt":"2012-02-10T09:53:59","slug":"heveling-und-lanier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lapoc.de\/zblog\/?p=146","title":{"rendered":"Heveling und Lanier&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>&#8230; Experten unter sich.<\/h3>\n<p>Ganz stilecht habe ich die Kunde von Herrn Ansgar Hevelings Sermon an die von ihm so genannte &#8220;Netzgemeinde&#8221; per SMS bekommen. Viele meiner Freunde treiben sich im Internetz herum aber SMS mit Links zu wilden, interessanten Webseiten bekomme ich nur von einem. Also selten.<br \/>\n[singlepic id=1 w=320 h=240 float=right]<br \/>\nBin ich trotzdem ein Angeh\u00f6riger der geheimnisvollen Gemeinde, gar beteiligt an der Revolution des Web 2.0, die Ansgar in seinem Gastkommentar beim Handelsblatt an die Wand malt? Vielleicht, vielleicht auch nicht aber ich kenne mich wohl ein bisschen aus. Nicht so gut wie <a href=\"http:\/\/beckedahl.org\/\" title=\"Markus Beckedahls eigene Seite\">Markus Beckedahl<\/a> aber ich wei\u00df, wie man im Internetz schnell herausfindet, dass sich sein Nachname hinten mit &#8220;ahl&#8221; und nicht blo\u00df mit &#8220;al&#8221; schreibt.<\/p>\n<p>Ansgar Heveling zitiert gerne mal einen Experten, wenn es von dem etwas zu zitieren gibt, das gut klingt und in die Welt von Ansgar Heveling hineinpasst. Da w\u00e4re zum Beispiel das sch\u00f6ne Wort &#8220;digitaler Totalitarismus&#8221;. Dasselbe h\u00e4tte Herr Heveling gerne von einem Jaron Lavier entlehnt. Nur leider kennt niemand einen Herren dieses Namens. Allerdings lebt einer, der Jaron <em>Lanier<\/em> hei\u00dft. Dieser nun hat in einem Aufsatz und in einem <a href=\"http:\/\/coffeetheory.com\/2011\/05\/13\/you-are-not-a-gadget\/\" title=\"lanier you are not a gadget\">Buch<\/a> mal von sowas gesprochen, allerdings nannte er das &#8220;cybernetic totalitarianism&#8221; was ungef\u00e4hr das Gleiche ist aber eben nicht das Selbe. Nun ist der Reiz an einem Zitat ja auch, dass es etwas von der Sprechweise des Zitierten in die Sprache des Zitierers streut und deshalb zitiert man in aller Regel wohl doch eher wortw\u00f6rtlich.<\/p>\n<p>Aber Ansgar Helveling hat ja auch den Namen von Jaron Lanier nicht wortw\u00f6rtlich genommen und vielleicht kennt er ja auch einen Herrn Lavier, der tats\u00e4chlich mal von &#8220;digitalem Totalitarismus&#8221; geredet hat.<\/p>\n<p>Genug davon &#8212; alle Welt hat schnell herausgefunden, dass Herr Helleving von den Leuten und Ereignissen, auf die er sich beruft, genausowenig Ahnung hat wie vom Internet. Von der Sache also, \u00fcber deren zuk\u00fcnftige Entwicklung er sich im Handelsblatt ausf\u00fchrlich \u00e4u\u00dfert und auf die er als Mitglied der Enqete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags einen gewissen Einfluss haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Jedenfalls wird er nicht nur mit einem Trommelfeuer aus berechtigt h\u00e4metriefender Kritik eingedeckt und selbst in seiner eigenen CDU\/CSU steht er so ziemlich alleine da. Immerhin die stellvertretende Generalsekret\u00e4rin der CSU hat eine bemerkenswert unzweideutige Erwiderung auf seinen Erguss ebenfalls auf der Handelsblatt-Seite zur\u00fcckgelassen.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich so naiv zu fragen, was Helverding mit dem ganzen Unfug allgemein und dem Zitieren von Leuten, deren Namen er sich nicht merken kann, speziell, zu bezwecken versucht. <\/p>\n<h3>Meine Hypothesen zum digitalen Hevelingismus<\/h3>\n<p>Allgemein will er sich wichtig machen. Er ist ein kleiner Hinterb\u00e4nkler aus einer katholischen Kleinstadt, der in schlecht besuchten Bundestagsdebatten Antr\u00e4ge der Linken zur Beschr\u00e4nkung von Abmahnkosten zur\u00fcckweisen darf. Dabei zappelt er etwas ratlos mit den Armen und spielt sich die ganze Zeit am Manuskript und redet hintereinander weg. So leidenschaftslos und schwammig wie es ein durchschnittlicher Volljurist drauf haben sollte. Damit bringt man es nicht weit, auch dann nicht, wenn man schon im Bundestag hockt, bevor der 40ste Geburtstag einem mahnend auf die Schulter geklopft hat.<\/p>\n<p>Also muss ein sch\u00f6n scharfes Thema her, zu dem man eine sch\u00f6n scharfe Debatte ansto\u00dfen kann und schon kommen die \u00fcberregionalen Zeitungen und vielleicht sogar ein Fernsehteam und wollen wissen, wer Ansagar H\u00e4ssleving ist. Und dass sie es wissen wollen ist auch dann ganz toll, wenn die Antwort lautet: &#8220;ein inkompetenter Wichtigtuer&#8221; oder &#8220;ein langweiliger Hinterb\u00e4nkler, der gerade seine Mediengeilheit auslebt&#8221;.<\/p>\n<p>Damit jemand nach einem fragt, muss man wer sein. Bundestagsabgeordneter ist schon ein bisschen was aber es reicht nat\u00fcrlich nicht. Auch die Paarhundert im Reichstag sind schon Masse, aus der man sich irgendwie herausheben muss. Das tut man am besten, indem man in einer spektakul\u00e4ren Aktion bekennt, dass man auf irgendeine Weise etwas Besonderes ist. Ein Generalangriff auf die &#8220;Netzgemeinde&#8221; aus Anlass der j\u00fcngsten <a href=\"http:\/\/wissen.dradio.de\/netz-reporter-xl-sopa-acta-und-co.126.de.html?dram:article_id=14638\" title=\"sopa und acta\">Entwicklungen in der amerikanischen Gesetzgebung<\/a> ist bestimmt spektakul\u00e4r genug, dass ein paar Leute gucken, was denn da passiert und dann fragen, wer das eigentlch ist. Das &#8220;wer&#8221; ist wichtig. Ein Journalist muss begr\u00fcnden, warum er seine Leser einem Interviewpartner zuh\u00f6ren l\u00e4sst und dass er etwas <em>gemacht<\/em> hat, reicht dazu nicht. Die Figur muss auch etwas <em>darstellen<\/em>, von dem irgendwie Nahrhaftes erwartet werden darf. Wenns geht, sollte eine Person, die sich mit Internetkontroverse profiliert, irgendwie als sowas wie ein Experte auf genau diesem Gebiet gelten.<\/p>\n<p>Womit wir wieder bei Lanier\/Lavier und seinem Zitierer sind. Warum hat Hevelving Lanier zitiert, obwohl er diesen gar nicht kennt und sich wohl kaum die Zeit genommen hat, eines von dessen B\u00fcchern zu lesen? Ich denke, weil Lanier tats\u00e4chlich ein Experte ist und weil Helfing geh\u00f6rt hat, dass dieser Experte irgendwie auch nicht so gut auf Wikipedia zu sprechen ist. Und damit war Lanier die ideale Beute f\u00fcr einen, der sich als Experte pr\u00e4sentieren m\u00f6chte, indem er gel\u00e4ufig von einem richtigen Experten redet.<\/p>\n<p>Er hat nicht geschrieben: <\/p>\n<blockquote><p>Der Computerpionier und Grafiksoftware-Experte Jaron Lanier<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie einer, der sich mit Vorsicht und Bescheidenheit einem Thema n\u00e4hert, das er nicht sehr gut kennt. Er hat geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;wie es Jaron Lavier genannt hat<\/p><\/blockquote>\n<p>(Wortw\u00f6rtlich kopiertes Zitat aus dem Gastbeitrag f\u00fcr das Handelsblatt)<\/p>\n<p>Er spricht wie einer, der mit Leuten redet, die wissen, wer gemeint ist, wenn der Name eines Experten erklingt. Und damit pr\u00e4sentiert er sich selbst als Experte. Als einer, der es nicht f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt, eine Person n\u00e4her zu beschreiben, die doch wohl jeder im Kreise der Experten schon am Namen erkennen kann(wenn man diesen richtig schreibt).<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine elende, peinliche Kreatur. Was f\u00fcr eine unertr\u00e4gliche Arroganz &#8212; Sie glauben also, Sie h\u00e4tten es nicht n\u00f6tig, wenigstens die Namen Ihrer Zitatlieferanten kurz zu \u00fcberpr\u00fcfen, bevor sie diese zu Ihrer eigenen Legitimierung heranziehen, Ja? <\/p>\n<p>Das, Herr Heveling, ist genau die Geisteshaltung, die Sie unabl\u00e4ssig den Netzbenutzern unterstellen: Beliebigkeit, moralische Gleichg\u00fcltigkeit, Mangel an Respekt und Ehrgef\u00fchl, Faulheit. Sie saugen am Nimbus einer Person, die tats\u00e4chlich etwas geleistet hat, ohne auch nur deren Namen den geb\u00fchrenden Respekt zu erweisen. Um Leute hinters Licht zu f\u00fchren, die von all dem, zu dem Sie sich apodiktische Urteile und groteske Prognosen erlauben, mehr verstehen als Sie sich in zwei Jahren anlesen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Aber wen wunderts: war nicht Guttenberg auch durch das moralische Fegefeuer eines deutschen Jurastudiums gegangen?<br \/>\nHeveling entbl\u00f6det sich nicht der Westdeutschen Zeitung zu erz\u00e4hlen:<\/p>\n<blockquote><p>Ich w\u00fcrde meinen Gastbeitrag wieder genau so schreiben und ver\u00f6ffentlichen<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit allen sachlichen Fehlern, Herr Heveling? <\/p>\n<h3>Sic Transit<\/h3>\n<p>Ansgar Heveling hat ein Abitur in Altgriechisch, er ist das, was man allgemein als &#8220;gutb\u00fcrgerlich&#8221; bezeichnen w\u00fcrde. Und er benimmt sich, wie es sich kein emporgekommener Prolet jemals erlauben w\u00fcrde. Dieter Bohlen mag ein Bildungsferner sein aber er wei\u00df, wo seine Grenzen sind, Leute wie Heveling wissen das nicht. Sie saugen ihre als Klassenbewusstsein missverstandene d\u00fcmmliche Arroganz aus dem l\u00e4ngst verdorrten Kadaver des gro\u00dfdeutschen Bildungsb\u00fcrgertums. Diese kraftlosen, weltfremden, schizophrenen deutschen Rechtsreaktion\u00e4re st\u00fctzen sich allen Ernstes auf die Ideale des Preu\u00dfentums, der Aufkl\u00e4rung und was noch alles und sind nicht in der Lage, einen Namen korrekt abzuschreiben.<br \/>\nWeil sie es nicht n\u00f6tig haben. Weil sie auch so gut zurecht kommen. Weil sie mit einem goldenen L\u00f6ffel im Maul geboren werden oder sich denselben, durch Meisterleistungen der Anpassung an jeden Mist, ins Maul gesteckt zu bekommen zu verdienen wissen.<\/p>\n<blockquote><p>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reden_gegen_Catilina#1._Rede_.28am_7._November_63_v._Chr._vor_dem_Senat.29\" title=\"wie lange, catilina\">Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Und die Antwort:<\/p>\n<blockquote><p>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reden_gegen_Catilina#1._Rede_.28am_7._November_63_v._Chr._vor_dem_Senat.29\" title=\"wie lange, catilina\">Quamdiu quisquam erit, qui te defendere audeat, vives<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ich m\u00f6chte noch darauf hinweisen, dass ich des Lateinischen durchaus nicht m\u00e4chtig bin. Allerdings vermag ich eine \u00dcbersetzung zu recherchieren, zu lesen und korrekt zu kopieren. Und ich m\u00f6chte mich hier auch nicht als Bewunderer Ciceros pr\u00e4sentieren. Cicero war wohl sehr wahrscheinlich ein verschlagener, r\u00fccksichtsloser Machtmensch, also einer, dem die Hevelings dieser Welt nacheifern. Aber er war auch eine begnadeter, geschickter Redner und mit reichlich Intelligenz und Bildung ausgestattet, was den Hevelings dieser Welt eher fremd sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Heveling entbl\u00f6det sich \u00fcbrigens auch nicht, auch die franz\u00f6sische Revolution zum Zeugen seiner Thesen anzurufen. Da sie schon mal da ist: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Guillotine\" title=\"das ger\u00e4t\">Das, was die franz\u00f6sische Revolution f\u00fcr machthungrigen Kleinadel \u00fcbrig hatte&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; Experten unter sich. Ganz stilecht habe ich die Kunde von Herrn Ansgar Hevelings Sermon an die von ihm so genannte &#8220;Netzgemeinde&#8221; per SMS bekommen. 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